Warten aufs Geld
Manchmal macht es wirklich keinen Spaß mehr, das Warten aufs Geld. Ein Kunde, für den ich seit mehreren Jahren gelegentlich arbeite, kam vor ein paar Wochen mit einem superdringenden Auftrag, den ich termingerecht geliefert habe. Die Rechnung habe ich noch nicht mal gleich am nächsten Tag geschrieben, sondern erst kurz darauf (also hatte der Kunde damit schon mal Zeit gewonnen). Habe wie immer meine 14 Tage Zahlungsziel genannt. In der folgenden Woche ruft die Assistentin an, meint, die Rechnung sei noch auf den alten Firmennamen, inzwischen habe sich die Firmenbezeichnung leicht geändert, ich solle die Rechnung bitte nochmal schicken. Das habe ich zugesagt und bei der Gelegenheit gefragt, wann denn das Geld rausginge. Antwort: Zahlungslauf sei prinzipiell immer der Montag, da die Rechnung schon abgezeichnet bei ihr auf dem Tisch liege, könnte sie theoretisch nächste Woche überwiesen werden, aber weil das ja erst der zehnte Tag ist, könne sie mir das nicht versprechen, dann wäre es eben der Montag darauf.
Ich habe mich trotz Überschreiten des Zahlungsziels über die halbwegs zeitnah zugesagte Zahlung gefreut, auf meinen Kontostand gekuckt, dann entschieden, dass das Auto in die Werkstatt kann und diverse andere Ausgaben getätigt. Als das Geld nach dem ersten Montag noch nicht kam, habe ich mir nichts Böses dabei gedacht. Als das Geld aber auch nach dem zweiten Montag noch nicht da war, habe ich mich nochmal per Mail gemeldet, ob es denn schon raus sei. Antwort: ich müsse mich leider noch 14 Tage gedulden, weil der kaufmännische Geschäftsführer dann erst aus dem Urlaub zurückkäme.
Hä??? Bitte wie, bitte was? Was sind das für Märchen? Wieso hatte ich vorher nichts von der Story vom Urlaub des Geschäftsführers gehört? Also so etwas sieht doch wirklich nach Herausreden aus, weil gerade nicht gezahlt werden kann, nicht wahr?
Hatte ich nicht geschrieben, der Zahlungseingang solle bitteschön innerhalb von 14 Tagen sein? Und dann werde ich auf den achtzehnten Tag für den Zahlungslauf vertröstet und dann werden locker nochmal 14 Tage drangehängt, weil der eine Geschäftsführer in Urlaub ist?
Nein, ich glaube kein Wort davon. Bei mir hinterlässt das eher den Eindruck, dass ein Kunde mit solchem Zahlungsgebaren am Rand der Nichtzahlungsfähigkeit entlangtaumelt. Auch wenn der Steuer- oder sonst ein Berater ein solches Zahlungsverhalten als “Lieferantenkredit” empfehlen mag - die Wirkung nach außen zerstört jede noch so mühsam konstruierte Imagepflege. So ein Zahlungsverhalten ist definitiv keine Stärke, das sieht ganz klar nach Schwäche aus.
Es macht definitiv keinen Spaß, länger als nötig aufs Geld zu warten. Und bei einem solchen Auftraggeber stellt sich durchaus die Frage, ob dieser kurz vor der Pleite steht. Oder nicht?