Faire Honorare - Blog

8. Oktober 2010

Warten aufs Geld

Abgelegt unter: Allgemein, Auftraggeber, Erfahrungen — Tags:, , , , — pwinkler @ 22:43

Manchmal macht es wirklich keinen Spaß mehr, das Warten aufs Geld. Ein Kunde, für den ich seit mehreren Jahren gelegentlich arbeite, kam vor ein paar Wochen mit einem superdringenden Auftrag, den ich termingerecht geliefert habe. Die Rechnung habe ich noch nicht mal gleich am nächsten Tag geschrieben, sondern erst kurz darauf (also hatte der Kunde damit schon mal Zeit gewonnen). Habe wie immer meine 14 Tage Zahlungsziel genannt. In der folgenden Woche ruft die Assistentin an, meint, die Rechnung sei noch auf den alten Firmennamen, inzwischen habe sich die Firmenbezeichnung leicht geändert, ich solle die Rechnung bitte nochmal schicken. Das habe ich zugesagt und bei der Gelegenheit gefragt, wann denn das Geld rausginge. Antwort: Zahlungslauf sei prinzipiell immer der Montag, da die Rechnung schon abgezeichnet bei ihr auf dem Tisch liege, könnte sie theoretisch nächste Woche überwiesen werden, aber weil das ja erst der zehnte Tag ist, könne sie mir das nicht versprechen, dann wäre es eben der Montag darauf.

Ich habe mich trotz Überschreiten des Zahlungsziels über die halbwegs zeitnah zugesagte Zahlung gefreut, auf meinen Kontostand gekuckt, dann entschieden, dass das Auto in die Werkstatt kann und diverse andere Ausgaben getätigt. Als das Geld nach dem ersten Montag noch nicht kam, habe ich mir nichts Böses dabei gedacht. Als das Geld aber auch nach dem zweiten Montag noch nicht da war, habe ich mich nochmal per Mail gemeldet, ob es denn schon raus sei. Antwort: ich müsse mich leider noch 14 Tage gedulden, weil der kaufmännische Geschäftsführer dann erst aus dem Urlaub zurückkäme.

Hä??? Bitte wie, bitte was? Was sind das für Märchen? Wieso hatte ich vorher nichts von der Story vom Urlaub des Geschäftsführers gehört? Also so etwas sieht doch wirklich nach Herausreden aus, weil gerade nicht gezahlt werden kann, nicht wahr?

Hatte ich nicht geschrieben, der Zahlungseingang solle bitteschön innerhalb von 14 Tagen sein? Und dann werde ich auf den achtzehnten Tag für den Zahlungslauf vertröstet und dann werden locker nochmal 14 Tage drangehängt, weil der eine Geschäftsführer in Urlaub ist?

Nein, ich glaube kein Wort davon. Bei mir hinterlässt das eher den Eindruck, dass ein Kunde mit solchem Zahlungsgebaren am Rand der Nichtzahlungsfähigkeit entlangtaumelt. Auch wenn der Steuer- oder sonst ein Berater ein solches Zahlungsverhalten als “Lieferantenkredit” empfehlen mag - die Wirkung nach außen zerstört jede noch so mühsam konstruierte Imagepflege. So ein Zahlungsverhalten ist definitiv keine Stärke, das sieht ganz klar nach Schwäche aus.

Es macht definitiv keinen Spaß, länger als nötig aufs Geld zu warten. Und bei einem solchen Auftraggeber stellt sich durchaus die Frage, ob dieser kurz vor der Pleite steht. Oder nicht?

14. Dezember 2008

Die eine Rechnung kann ich abschreiben …

Abgelegt unter: Auftraggeber, Erfahrungen, Fehler/Lehrgeld — Tags:, , , — pwinkler @ 00:49

Mit nicht oder nur teilweise bezahlten Rechnungen habe ich zum Glück nur selten zu tun. Nach langer Zeit ärgere ich mich aber mal wieder über so einen Fall. Die Rechnung aus dem Jahr 2005 (siehe den Eintrag vom 22.06.08) muss ich leider zu einem Teil abschreiben. Sachverhalt war damals, dass ich von einer kleinen Agentur beauftragt worden war, aber mit dem Kunden direkt abrechnen sollte. Nachdem sich der Kunde beharrlich in Schweigen gehüllt hat, habe ich nun Kontakt zur Agentur aufgenommen. Die gibt es nicht mehr. Stattdessen eine Ex-Agenturinhaberin, der das alles sehr leid tut, die aber meinte, bei dem Kunden sei wohl so schnell nix zu holen, weil (nach ihren Quellen) inzwischen am Rande der Insolvenz. Jetzt zahlt sie mir was aus der eigenen Tasche, aber leider nur knapp die Hälfte.

Mit dem Ärger über das verlorene Geld habe ich mal Revue passieren lassen, wie oft mich dieser Ärger schon getroffen hat. Nächstes Jahr bin ich zehn Jahre selbständig. In dieser Zeit ist dies nun der ungefähr dritte Fall des Nichtzahlens. Ungefähr drei deshalb, weil ich nicht so recht weiß, ob ich einen vierten und fünften Fall mit reinzählen soll, wo ich probehalber Text geliefert habe, Auftrag und damit Honorar kam jedoch nie. Okay, da habe ich zwar eine Leistung gebracht und nix bekommen, aber das war ja (noch) kein Auftrag. Bei den anderen drei Fällen waren es richtige Aufträge, da ärgert’s dann schon.

Womit ich mich tröste: insgesamt sind es nicht mehr als 2.000 Euro gewesen, die ich abschreiben musste. Das auf die Zeit umgerechnet, ist wohl noch im Rahmen. Da habe ich bisher Glück gehabt. Es gibt Freelancer, denen Hunderte oder gar Tausende von Euro verloren gegangen sind. Gerade wenn noch Leistungen hinzugekauft werden, kommen schnell Summen zusammen, die für einen einzelnen Freelancer tödlich sein können. Da sollte man wirklich auf Abschlagszahlungen zwischendurch bestehen. Damit es am Ende nicht ganz so dick kommt.

13. November 2008

5 Fragen an Uli Oberst

Abgelegt unter: Auftraggeber, Erfahrungen, Fotografen, Fragen an ... — Tags:, , — pwinkler @ 01:19

5 Fragen an den studierten Fotodesigner Uli Oberst (www.ulrich-oberst.de)

Du arbeitest seit 1991 selbständig als Fotodesigner – was war in den letzten Jahren dein bestes Erlebnis in Sachen Honorar?

Das beste Erlebnis ist schwer zu benennen, aber gerade in diesem Sommer habe ich bei einer neuen Agentur erlebt, dass mein Tagessatz ohne Wenn und Aber akzeptiert worden ist. Was wiederum meinen Eindruck bestätigt, dass größere Agenturen generell den Wert von Freelancer-Leistungen von vornherein besser einkalkulieren. Die Feilscherei gibt es eher bei kleineren Agenturen, die probieren häufiger, noch ein wenig an der Preisschraube zu drehen.

Gab es negative Erlebnisse?

Da gab es ein paar. Beispielsweise hatte ich mal vor einigen Jahren mit einer Agentur in Grünstadt zu tun, die haben herumgejammert, dass sie günstig anbieten müssten, weil es der erste Auftrag bei diesem Kunden sei und man erst mal ins Geschäft kommen wolle. Also habe ich zwei Arbeitstage zu einem Sonderpreis angeboten.
Dann war klar, dass der Zeitrahmen nicht einzuhalten war und die Arbeiten im Studio an einem weiteren Tag gemacht werden müssten. Also gab es Nachverhandlungen, wo ich mich nochmals auf einen Nachlass eingelassen habe. Der nächste Ärger kam dann mit der Rechnung. Dort stand ganz klar: „rein netto, ohne Abzüge“. Und was passiert? Die haben sich unverschämterweise noch Skonto abgezogen.
Ich habe dann einen Anwalt konsultiert und das restliche Geld noch bekommen. Insofern habe ich nicht sooo viel eingebüßt, aber ärgerlich war es trotzdem. Zumal ich später gehört habe, aus der Agentur würde verbreitet, man könne mit mir nicht zusammenarbeiten. Da ärgert man sich über einen Honorarnachlass dann doppelt.

Wie steht es mit der Konkurrenz durch Billig-Anbieter?

Die ist durchaus da. Zum einen hatte ich in den letzten Jahren mehrfach erlebt, dass ein Angestellter einer Stadt hier im Rhein-Neckar-Raum immer mit sehr günstigen Preisen auf dem Markt auftritt. Ein Kollege von mir hat sich mit ihm einmal unterhalten und gefragt, ob er sich selbständig machen wolle und da lautete die Antwort: Nein, als Angestellter sei ja für Altersvorsorge und Krankenversicherung gesorgt, auf diesen Vorteil zu verzichten, sei ja dumm. Für ein paar Euro nebenbei arbeiten sei da besser. Ein anderes Mal bin ich unterboten worden von jemand, der als Pressefotograf bei einem Zeitungsverlag angestellt ist. Das war sehr ärgerlich, weil ich bis dahin schon drei Fahrten und etliche Stunden für Gespräche aufgewandt hatte. Aber als Freier kann man bei Angeboten nicht mit Angestellten mithalten, die überhaupt keine Sozialversicherungsbeiträge oder andere Kosten einkalkulieren müssen …

Wo liegen deiner Erfahrung nach weitere Knackpunkte derzeit?

Das Thema Künstlersozialversicherung ist zur Zeit ein großes Thema. Aus Kollegenkreisen hört man immer öfter, dass von den Werbeagenturen oder anderen Auftraggebern gefordert wird, das Honorar bitte um den KSK-Anteil zu senken – anderenfalls werde es keine Aufträge mehr geben. Das ist ganz klar gegen das Gesetz, hier heißt es ja ausdrücklich, dass dieser Anteil vom Auftraggeber zu tragen ist, aber es gibt vermutlich einige Freelancer, die das um des lieben Friedens Willen mitmachen. Das Gesetz ist hier reichlich praxisfremd, weil der Markt nun einmal unter einem hohen Preisdruck steht. Deshalb müsste sich hier meiner Meinung nach auch auf politischer Ebene etwas tun. Es kann nicht angehen, dass Auftraggeber-Beiträge zur Absicherung von Künstlern letzten Endes von den Künstlern selbst getragen werden.

Wie lautet dein Schlusswort?

Wenn ich mir überlege, dass der AGD-Basis-Stundensatz bei 76,- Euro liegt und wenn ich dann sehe, dass meine Autowerkstatt für normale Mechaniker-Arbeiten einen Stundensatz von um die 90,- Euro in Rechnung stellt, dann kann ich diese Diskrepanz nicht mehr richtig nachvollziehen – es kann doch nicht sein, dass alles teurer wird, die Freelancer jedoch mit den Honoraren unten bleiben sollen. Schließlich erwarten die Kunden ja auch, dass ich ein fahrbereites Auto zur Verfügung habe, um vor Ort präsent zu sein …

21. Oktober 2008

Honorare früher - und heute

Abgelegt unter: Auftraggeber, Erfahrungen, Texter — Tags:, , — pwinkler @ 01:04

Neulich habe ich mit einem lieben Kollegen telefoniert, der nochmal gut 10 oder 15 Jahre länger als ich selbständig arbeitet. Im Telefonat kamen wir aufs Thema Auftragslage und Bestandskunden. Da habe ich dann gehört, dass mein Kollege einige Tage zuvor von einem uralten Kunden angerufen worden ist, ob er für einen Vortrag auf einem Seminar zur Verfügung stünde - natürlich kostenfrei, bitte.

Mein Kollege hat dies verneint.

Nach ein wenig Geplänkel über das Wieso-Weshalb-Warum, hat er mir erzählt, dass das Honorar für die sehr erfolgreichen, mehrseitigen Mailings dieses Kunden mit Anschreiben, Prospektmaterial, Umschlag etc. pp. vor ein paar Jahren noch fast 20.000 DM (jawoll, hier noch einmal zum Mitschreiben: zwanzigtausend Mark) betragen hat. Inzwischen werden dafür gerade mal noch 1.500 Euro bezahlt.

Da habe ich dann verstanden, warum der Kollege keine Lust mehr hat, für diesen Kunden überhaupt noch etwas zu machen …

26. August 2008

Lesevergnügen: “Probe auf Lebenszeit”

Köstlich, diese parallel aufgebaute Steigerung im OnReset-Blog “Probe auf Lebenszeit” - was bin ich froh, dass ich aus dem Alter raus bin, mich durch eine solche Praktikums-Ausbeuterei hindurchknechten zu müssen.

Der Nachwuchs hat es heute echt nicht mehr einfach … Dafür steht unsereins schon eher vor der Frage, wie wir einmal im Alter finanziell über die Runden kommen. Eine gute Ausbildung reicht heutzutage nicht zum Geldverdienen, wenn Verlage und Unternehmen ihren Kostendruck auf die Freischaffenden abwälzen.

Gesamtgesellschaftlich ist das sowieso verdammt kurz gedacht. Zur Zeit knappsen viele Freie entweder am Berufseinstieg rum oder mittendrin - für eine Altersvorsorge bleibt in den meisten Fällen nicht genug Geld übrig.

In zwanzig oder dreißig Jahren werden zigtausend ehemalige Freiberufler im Alter auf staatliche Transferleistungen angewiesen sein. Das zahlt dann die nächste Generation an Steuerzahlern. Also auch die Kinder derjenigen Verlags- und Unternehmensmanagern, die jetzt die Honorardrückerei betreiben. Bewusst oder unbewusst bürden die ihren Kindern gerade eine gewaltige Last auf …

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