Faire Honorare - Blog

10. September 2010

Keine Zeit für gar nix

Abgelegt unter: Allgemein, Grafiker, Honorarkalkulation, Journalisten — Tags:, , — pwinkler @ 00:46

Ach jesses, schon wieder ganz viele Wochen vorbei, in denen ich nicht am Blog gearbeitet habe. Das liegt daran, dass ich derzeit (neben der üblichen Auftragsarbeit) kräftig an anderen Sachen arbeite.

Deshalb nur kurz als Lebenszeichen zwischendurch: in den letzten Tagen gab es interessanten Lesestoff. Zum einen hat mir ein lieber Kollege (danke, Gerhard!) einen Link geschickt zu einem Interview mit Kurt Weichler, Professor für Journalismus und Medien, in dem es um die Bezahlung freier Journalisten geht. Sein Fazit lautet: “Bezahlt eure freien Mitarbeiter anständig!”. Das ganze Interview findet sich hinter diesem Link.

Zum anderen habe ich dieser Tage eine Meldung in der Presse gesehen (u.a. in SPON), wonach die Bruttolöhne seit dem Jahr 2000 in Europas Euro-Zone um rund 29 Prozent gestiegen sein sollen, während die Bruttolöhne in Deutschland seitdem nur um 21,4 Prozent gewachsen sind. Häh, bitte wie? Die Löhne in Deutschland sind seit 2000 um mehr als 20 Prozent gestiegen? Habe ich hier etwas verpasst? Hätten hier nicht die Freien-Honorare um ungefähr den gleichen Betrag wachsen müssen? Die Gewerkschaften argumentieren ja gern mit gestiegenen Lebenshaltungskosten, wenn es um höhere Tarife geht. Gerade nach der Euro-Umstellung 2002 hatten viele Verbraucher den Eindruck (und es gab ja auch einige Medien, die hier nachgerechnet haben), dass die Preise nicht nach dem offiziellen Umtauschkurs, sondern pi mal Daumen plus kräftige Gewinnmarge umgerechnet worden sind. Alles ist teurer geworden. Nur die Honorarhöhe ist geblieben. Oder sogar gesunken, wie die Kommunikationsdesigner berichten. Irgendwas scheint hier in Schräglage zu sein. Oder sehe ich das falsch?

8. April 2010

Arbeitszeit und Honorare für Journalisten

Abgelegt unter: Dumping & billig, Honorarkalkulation, Journalisten — Tags:, , — pwinkler @ 23:15

Vor ein paar Tagen habe ich in der Serie der Süddeutschen “Wozu noch Journalismus?” den Beitrag von Stephan Ruß-Mohl mit den sechs Empfehlungen gelesen. Was für mich sehr interessant und neu war: dieser Autor berichtet freimütig, für den Artikel zehn Stunden Arbeitszeit benötigt zu haben.  Wobei er eingesteht, dabei manche Textpassagen aus anderen Artikeln zweitverwertet zu haben. Seiner Einschätzung nach hätte ein freier Journalist, wenn nicht zweitverwertet werden kann, eventuell noch mehr Arbeitszeit benötigt. Und dann verweist er auf die journalismus.com-Honorartabelle.

Bei manchen Zeitungen hätte man für zehn oder mehr Stunden Arbeit pro Artikel um die 180 Euro oder 13 Euro pro Stunde erhalten. Laut dieser Honorartabelle hätte ein gestandener Journalist bei einem renommierten Nachrichtenmagazin für 10 Stunden Arbeit ganze 180 Euro bekommen. Bei einer überregionalen und mindestens ebenso renommierten Zeitung wären es 13 Euro pro Stunde gewesen und damit um die 130 Euro.

Leider ist ja nicht jeder Werktag mit Aufträgen gefüllt. Es gibt ja auch Tage mit Leerlauf, die mit nicht honorierten administrativen Aufgaben gefüllt werden. Geht man von zwei Dritteln produktiver Tätigkeit aus (und das dürfte angesichts der derzeitigen Lage der Branche eher optimistisch sein), kommt ein freier Journalist damit auf einen Tagessatz von durchschnittlich vielleicht 144 Euro (bei 180 Euro für 10 Stunden Arbeit, was ja noch optimistisch geschätzt war) oder von 130 Euro (mit dem Stundensatz).

Der Monatsumsatz beträgt dann (bei 4 x 5 x 8 Stunden und bei 70 Prozent Auslastung, d.h. bei 112 Stunden Arbeitzeit pro Monat) vielleicht noch 14 x 144 Euro (also rund 2000 Euro brutto!) oder je nach Stundensatz um die 1820 Euro. Urlaubs- oder Krankheitszeiten sind darin natürlich nicht enthalten.

Von diesen rund 2000 oder 1800 Euro gehen natürlich erst einmal noch Betriebsausgaben in Form von Telefon, Auto, Büromaterial, EDV etc. ab. Je nach Kostenstruktur (ist vielleicht noch eine Miete fürs Büro zu zahlen?) bleiben davon vielleicht nur 1200 Euro. Davon geht dann nochmal die Krankenversicherung ab plus noch andere Vorsorgesachen. Oder vielleicht ein Kinderfreibetrag. Oder andere Freibeträge.

Und wieviel bleibt dann - nach Abzug aller Kosten und Freibeträge - noch übrig zum Leben? Nicht mehr viel. Ein Job als freier Journalist ist ein Hungerleiderjob (Ausnahmen sind natürlich sicherlich möglich).

26. November 2008

Nur Kosten? Oder eine Investition?

Abgelegt unter: Akquise, Allgemein, Auftraggeber, Honorarkalkulation — Tags:, , , , — pwinkler @ 01:57

War heute in einer neuen Agentur und das Gespräch kam unter anderem auf Kunden und deren unterschiedlichen Sichtweisen. Es gibt Kunden, für die ist Werbung nur ein Kostenfaktor. Und es gibt Kunden, die betrachten Werbung als eine Investition, die getätigt wird, um letzten Endes Umsatz und Gewinn zu steigern. Die, für die Werbung nur Kosten bedeutet, mäkeln auch stets über Honorare und Produktionskosten. Für die zu arbeiten macht echt keinen Spaß. GottseiDank gibt es aber auch noch genug von den anderen …

15. Juli 2008

Honorare freier Journalisten

Abgelegt unter: Auftraggeber, Honorarkalkulation, Journalisten — Tags:, , , — pwinkler @ 23:56

Tja, so ist es, wenn nur wenig Zeit bleibt, dann kommt sogar das Lesen kurz. Oder spät. Aber besser spät als gar nicht …

Jedenfalls habe ich heute schnell ein paar (ältere) Fachblätter überflogen und dabei (neben dem üblichen langweiligen Name-Dropping von Agenturen und Medienleuten) eine erschreckende Meldung zu den Honoraren freier Journalisten gefunden (Quelle: Horizont 25/2008, 19.06.08, S. 31). Laut einer Studie, im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbands DFJV durchgeführt, verdient ein freier Journalist im Durchschnitt 2.478 Euro im Monat. Brutto, wohlgemerkt. “Im Durchschnitt” heißt dabei: ungefähr ein Drittel der Journalisten verdient um die 4.000 im Monat, das ist ja ganz ordentlich, aber am andere Ende der Skala gibt es 28 Prozent, die nur bis zu 1.000 Euro monatlich verdienen. Es überrascht mich nicht, dass bei einigen Freien die Einkommen so niedrig liegen. Was mich jedoch überrascht, ist der hohe Anteil von 28 Prozent! Das hätte ich so nicht vermutet …

28. April 2008

Rechner und Daten kosten was

Letzte Woche war eine Erweiterung für meinen Rechner fällig. Eine gute Gelegenheit, um den IT- und DV-Kram der letzten Jahre Revue passieren zu lassen.

Ich arbeite seit knapp neun Jahren selbständig. In dieser Zeit haben sich die Daten für etliche Projekte auf der Festplatte angesammelt. Und dazu alles nochmal in einer externen Datensicherung. Anfangs auf Zip-Laufwerken, dann auf gebrannten CDs, seit einiger Zeit in externen USB-Laufwerken.

In den neun Jahren Selbständigkeit habe ich zwei Win-Desktop-Rechner verbraucht, außerdem (nach und nach) zwei Mac-Notebooks angeschafft, weil der Austausch zwischen den zwei Rechner-Welten früher nicht immer reibungslos lief. Um mobiler arbeiten zu können, habe ich irgendwann noch ein Windows-Notebook angeschafft. Das erste ist inzwischen futsch, das heißt, ich arbeite bereits mit dem zweiten Notebook. Jeder Wechsel kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Und das nicht zu wenig.

Das zweite Notebook ist nun zwei Jahre alt. Letztes Jahr ist die Grafikdarstellung kaputt gegangen. Der Bildschirm war plötzlich bunt gestreift. Egal, wie oft ich die Kiste abgewürgt und neu gestartet habe - nichts ging mehr. Für mich hieß das: erstmal alle Daten extern speichern, mein iMac aktivieren, die Daten da drauf packen, E-Mail und Webzugang neu einrichten (der Mac stand eine Weile ungenutzt herum), kontrollieren, ob Daten verloren gegangen sind, die Kunden der laufenden Projekte benachrichtigen, dass sich die Arbeit verzögert usw. Alles in allem gingen zwei Arbeitstage dafür drauf. Das Notebook wurde eingeschickt und war dann erstmal zwei Wochen weg. Nach der Reparatur das gleiche Spiel nochmal: Alles wieder zurückspeichern, die Daten der laufenden Jobs kontrollieren usw. Das war nochmal ein ganzer Arbeitstag. Drei Arbeitstage für nix! Nur weil so ein Grafikkarten-Ding von einem knapp 15 Monate alten Notebook kaputt ging!

Nun ist in den letzten Wochen die 40-GB-Festplatte nach und nach an ihre Grenzen geraten. Naja, 20 GB Daten plus noch die ganzen Programme, kein Wunder. Eine größere Festplatte war bereits bestellt, da kam beim Speichern einer popelig kleinen Tabelle die Meldung “Disk voll”. Den Rest des Arbeitstages war ich damit beschäftigt, Daten zu löschen, die ich nicht mehr brauchen würde, um die anderen (größeren) Jobs speichern zu können. Am nächsten Tag kam mein ITK-Retter mit neuer Festplatte, außerdem gibt es nun ein richtiges Netzwerk mit einem kleinen Server, damit ich die Daten der einzelnen externen Speicherträger mal wieder an einer zentralen Stelle speichern kann. Fünf Stunden hat der gute Mann an Software, Netzwerk und den ganzen Einstellungen gearbeitet, länger als geplant, dazu noch die Software für Betriebssystem und Datensicherung plus die ganzen Hardwareteile - ich bin mal gespannt, wie viel mich am Ende diese Investition kostet.

Jedem betriebswirtschaftlich denkenden Mensch dürfte klar sein, dass sich dieser Zeit- und Kostenaufwand irgendwo in der Kalkulation wiederfinden muss.

neuere Artikel »