Faire Honorare - Blog

2. Dezember 2008

6 Fragen an Jürgen Schrödl

6 Fragen an Jürgen Schrödl, Vorsitzender des Fachverbands Freier Werbetexter (FFW)

Wer bist du und was machst du?
Ich arbeite als freier Konzeptioner und Werbetexter in Leipzig. Mit dem Thema Werbung bin ich nunmehr insgesamt 20 Jahre beschäftigt. Als freier Texter arbeite ich seit 1999, also seit knapp 10 Jahren. 2002 bin ich Mitglied im FFW geworden, 2006 kam ich in den Vorstand und jetzt im Herbst 2008 wurde ich zum Vorsitzenden des FFW gewählt.

Was sind deine eigenen Erfahrungen zum Thema Honorare?

In der Regel habe ich keine Probleme. Ich arbeite meist für größere Agenturen und die kennen die Preise und den Wert der Arbeit. Das vertreten sie auch gegenüber ihren Kunden, so dass sie meine Leistung bei ihrem Kunden auch gut abrechnen können. Bei kleineren Agenturen ist es mit dem Honorar manchmal schwieriger, weil die oft unsicher sind, was der Markt hergibt. Mein Eindruck ist aber auch, dass die Textleistung in den ostdeutschen Breiten noch keine so hohe Wertigkeit hat, das ist in den westlichen Bundesländern anders.

Wie erklärst du die Höhe deiner Honorare?
Das erklärt sich einfach mit der gesamten Leistung. Es ist ja nicht nur der Text an sich, sondern vorher die ganze Recherche, dann das Briefing, die mehrfache Absprache mit dem Kunden und so weiter. Wenn ich das alles im Detail aufzeige, sind die meisten Kunden überzeugt und akzeptieren dann auch das Honorar. Aber natürlich gibt es dann immer noch ein paar, mit denen es keine Einigung gibt. Das ist normal.

Wie sieht es bei den Texter-Kollegen mit Verhandlungen ums Honorar aus?

Durch einzelne Kontakte, aber auch bei den Textertreffen und den Stammtischen in Leipzig, Dresden und anderswo gibt es einen guten Austausch. Bei den meisten Kollegen ist es in der Regel wie bei mir, das marktübliche Honorar wird akzeptiert. Die meisten finden dabei auch den „Marktmonitor“ sehr hilfreich. Der FFW hat diesen im Frühjahr 2008 neu herausgegeben und die von den Kollegen genannten Preise spiegeln die Marktgegebenheiten recht gut wider. Er ist inzwischen sehr stark nachgefragt: nicht nur Texter, sondern auch Agenturen und Unternehmen bestellen ihn. Viele Kollegen greifen für ihre Honorar-Argumentation gern auf den „Marktmonitor“ zurück, weil sie damit dem Kunden die Preise zeigen können, die auf dem Markt üblich sind.

Was ist mit den Dumping-Angeboten verschiedener Internetplattformen – ist das echte Konkurrenz?

Nein, nicht wirklich. Diese Discount-Angebote sind ja in der Qualität ein ganz anderes Niveau, das ist überhaupt nicht vergleichbar.

Wie lautet dein Schlusswort?
Jeder Freelancer sollte sich die Frage stellen oder für sich festlegen, welchen Wert die eigene Arbeit hat. Ich für mich habe entschieden, mich nicht unter Wert zu verkaufen …

13. November 2008

5 Fragen an Uli Oberst

Abgelegt unter: Auftraggeber, Erfahrungen, Fotografen, Fragen an ... — Tags:, , — pwinkler @ 01:19

5 Fragen an den studierten Fotodesigner Uli Oberst (www.ulrich-oberst.de)

Du arbeitest seit 1991 selbständig als Fotodesigner – was war in den letzten Jahren dein bestes Erlebnis in Sachen Honorar?

Das beste Erlebnis ist schwer zu benennen, aber gerade in diesem Sommer habe ich bei einer neuen Agentur erlebt, dass mein Tagessatz ohne Wenn und Aber akzeptiert worden ist. Was wiederum meinen Eindruck bestätigt, dass größere Agenturen generell den Wert von Freelancer-Leistungen von vornherein besser einkalkulieren. Die Feilscherei gibt es eher bei kleineren Agenturen, die probieren häufiger, noch ein wenig an der Preisschraube zu drehen.

Gab es negative Erlebnisse?

Da gab es ein paar. Beispielsweise hatte ich mal vor einigen Jahren mit einer Agentur in Grünstadt zu tun, die haben herumgejammert, dass sie günstig anbieten müssten, weil es der erste Auftrag bei diesem Kunden sei und man erst mal ins Geschäft kommen wolle. Also habe ich zwei Arbeitstage zu einem Sonderpreis angeboten.
Dann war klar, dass der Zeitrahmen nicht einzuhalten war und die Arbeiten im Studio an einem weiteren Tag gemacht werden müssten. Also gab es Nachverhandlungen, wo ich mich nochmals auf einen Nachlass eingelassen habe. Der nächste Ärger kam dann mit der Rechnung. Dort stand ganz klar: „rein netto, ohne Abzüge“. Und was passiert? Die haben sich unverschämterweise noch Skonto abgezogen.
Ich habe dann einen Anwalt konsultiert und das restliche Geld noch bekommen. Insofern habe ich nicht sooo viel eingebüßt, aber ärgerlich war es trotzdem. Zumal ich später gehört habe, aus der Agentur würde verbreitet, man könne mit mir nicht zusammenarbeiten. Da ärgert man sich über einen Honorarnachlass dann doppelt.

Wie steht es mit der Konkurrenz durch Billig-Anbieter?

Die ist durchaus da. Zum einen hatte ich in den letzten Jahren mehrfach erlebt, dass ein Angestellter einer Stadt hier im Rhein-Neckar-Raum immer mit sehr günstigen Preisen auf dem Markt auftritt. Ein Kollege von mir hat sich mit ihm einmal unterhalten und gefragt, ob er sich selbständig machen wolle und da lautete die Antwort: Nein, als Angestellter sei ja für Altersvorsorge und Krankenversicherung gesorgt, auf diesen Vorteil zu verzichten, sei ja dumm. Für ein paar Euro nebenbei arbeiten sei da besser. Ein anderes Mal bin ich unterboten worden von jemand, der als Pressefotograf bei einem Zeitungsverlag angestellt ist. Das war sehr ärgerlich, weil ich bis dahin schon drei Fahrten und etliche Stunden für Gespräche aufgewandt hatte. Aber als Freier kann man bei Angeboten nicht mit Angestellten mithalten, die überhaupt keine Sozialversicherungsbeiträge oder andere Kosten einkalkulieren müssen …

Wo liegen deiner Erfahrung nach weitere Knackpunkte derzeit?

Das Thema Künstlersozialversicherung ist zur Zeit ein großes Thema. Aus Kollegenkreisen hört man immer öfter, dass von den Werbeagenturen oder anderen Auftraggebern gefordert wird, das Honorar bitte um den KSK-Anteil zu senken – anderenfalls werde es keine Aufträge mehr geben. Das ist ganz klar gegen das Gesetz, hier heißt es ja ausdrücklich, dass dieser Anteil vom Auftraggeber zu tragen ist, aber es gibt vermutlich einige Freelancer, die das um des lieben Friedens Willen mitmachen. Das Gesetz ist hier reichlich praxisfremd, weil der Markt nun einmal unter einem hohen Preisdruck steht. Deshalb müsste sich hier meiner Meinung nach auch auf politischer Ebene etwas tun. Es kann nicht angehen, dass Auftraggeber-Beiträge zur Absicherung von Künstlern letzten Endes von den Künstlern selbst getragen werden.

Wie lautet dein Schlusswort?

Wenn ich mir überlege, dass der AGD-Basis-Stundensatz bei 76,- Euro liegt und wenn ich dann sehe, dass meine Autowerkstatt für normale Mechaniker-Arbeiten einen Stundensatz von um die 90,- Euro in Rechnung stellt, dann kann ich diese Diskrepanz nicht mehr richtig nachvollziehen – es kann doch nicht sein, dass alles teurer wird, die Freelancer jedoch mit den Honoraren unten bleiben sollen. Schließlich erwarten die Kunden ja auch, dass ich ein fahrbereites Auto zur Verfügung habe, um vor Ort präsent zu sein …