Faire Honorare - Blog

20. November 2010

Weitere Verbände

Diese Woche bin ich gleich von zwei Seiten kontaktiert worden, weil ich auf den Webseiten zwei Verbände nicht genannt habe. Ich werde es irgendwann in den nächsten Tagen nachholen (ab Anfang Dezember müsste ich etwas mehr Luft haben), vorab schon mal die Links hier im Blog:

  • einen wichtigen Journalistenverband, den ich beim Erstellen der Website vor zwei oder drei Jahren leider nicht auf dem Radar hatte, nämlich die innerhalb von ver.di angesiedelte Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union DJU
  • und es gibt noch eine Berufsvereinigung Filmton e.V., in der auch viele Freelancer organisiert sind, und die eigene Honorarempfehlungen ganz frisch herausgegeben hat: www.bvft.de

8. Oktober 2010

Warten aufs Geld

Abgelegt unter: Allgemein, Auftraggeber, Erfahrungen — Tags:, , , , — pwinkler @ 22:43

Manchmal macht es wirklich keinen Spaß mehr, das Warten aufs Geld. Ein Kunde, für den ich seit mehreren Jahren gelegentlich arbeite, kam vor ein paar Wochen mit einem superdringenden Auftrag, den ich termingerecht geliefert habe. Die Rechnung habe ich noch nicht mal gleich am nächsten Tag geschrieben, sondern erst kurz darauf (also hatte der Kunde damit schon mal Zeit gewonnen). Habe wie immer meine 14 Tage Zahlungsziel genannt. In der folgenden Woche ruft die Assistentin an, meint, die Rechnung sei noch auf den alten Firmennamen, inzwischen habe sich die Firmenbezeichnung leicht geändert, ich solle die Rechnung bitte nochmal schicken. Das habe ich zugesagt und bei der Gelegenheit gefragt, wann denn das Geld rausginge. Antwort: Zahlungslauf sei prinzipiell immer der Montag, da die Rechnung schon abgezeichnet bei ihr auf dem Tisch liege, könnte sie theoretisch nächste Woche überwiesen werden, aber weil das ja erst der zehnte Tag ist, könne sie mir das nicht versprechen, dann wäre es eben der Montag darauf.

Ich habe mich trotz Überschreiten des Zahlungsziels über die halbwegs zeitnah zugesagte Zahlung gefreut, auf meinen Kontostand gekuckt, dann entschieden, dass das Auto in die Werkstatt kann und diverse andere Ausgaben getätigt. Als das Geld nach dem ersten Montag noch nicht kam, habe ich mir nichts Böses dabei gedacht. Als das Geld aber auch nach dem zweiten Montag noch nicht da war, habe ich mich nochmal per Mail gemeldet, ob es denn schon raus sei. Antwort: ich müsse mich leider noch 14 Tage gedulden, weil der kaufmännische Geschäftsführer dann erst aus dem Urlaub zurückkäme.

Hä??? Bitte wie, bitte was? Was sind das für Märchen? Wieso hatte ich vorher nichts von der Story vom Urlaub des Geschäftsführers gehört? Also so etwas sieht doch wirklich nach Herausreden aus, weil gerade nicht gezahlt werden kann, nicht wahr?

Hatte ich nicht geschrieben, der Zahlungseingang solle bitteschön innerhalb von 14 Tagen sein? Und dann werde ich auf den achtzehnten Tag für den Zahlungslauf vertröstet und dann werden locker nochmal 14 Tage drangehängt, weil der eine Geschäftsführer in Urlaub ist?

Nein, ich glaube kein Wort davon. Bei mir hinterlässt das eher den Eindruck, dass ein Kunde mit solchem Zahlungsgebaren am Rand der Nichtzahlungsfähigkeit entlangtaumelt. Auch wenn der Steuer- oder sonst ein Berater ein solches Zahlungsverhalten als “Lieferantenkredit” empfehlen mag - die Wirkung nach außen zerstört jede noch so mühsam konstruierte Imagepflege. So ein Zahlungsverhalten ist definitiv keine Stärke, das sieht ganz klar nach Schwäche aus.

Es macht definitiv keinen Spaß, länger als nötig aufs Geld zu warten. Und bei einem solchen Auftraggeber stellt sich durchaus die Frage, ob dieser kurz vor der Pleite steht. Oder nicht?

10. September 2010

Keine Zeit für gar nix

Abgelegt unter: Allgemein, Grafiker, Honorarkalkulation, Journalisten — Tags:, , — pwinkler @ 00:46

Ach jesses, schon wieder ganz viele Wochen vorbei, in denen ich nicht am Blog gearbeitet habe. Das liegt daran, dass ich derzeit (neben der üblichen Auftragsarbeit) kräftig an anderen Sachen arbeite.

Deshalb nur kurz als Lebenszeichen zwischendurch: in den letzten Tagen gab es interessanten Lesestoff. Zum einen hat mir ein lieber Kollege (danke, Gerhard!) einen Link geschickt zu einem Interview mit Kurt Weichler, Professor für Journalismus und Medien, in dem es um die Bezahlung freier Journalisten geht. Sein Fazit lautet: “Bezahlt eure freien Mitarbeiter anständig!”. Das ganze Interview findet sich hinter diesem Link.

Zum anderen habe ich dieser Tage eine Meldung in der Presse gesehen (u.a. in SPON), wonach die Bruttolöhne seit dem Jahr 2000 in Europas Euro-Zone um rund 29 Prozent gestiegen sein sollen, während die Bruttolöhne in Deutschland seitdem nur um 21,4 Prozent gewachsen sind. Häh, bitte wie? Die Löhne in Deutschland sind seit 2000 um mehr als 20 Prozent gestiegen? Habe ich hier etwas verpasst? Hätten hier nicht die Freien-Honorare um ungefähr den gleichen Betrag wachsen müssen? Die Gewerkschaften argumentieren ja gern mit gestiegenen Lebenshaltungskosten, wenn es um höhere Tarife geht. Gerade nach der Euro-Umstellung 2002 hatten viele Verbraucher den Eindruck (und es gab ja auch einige Medien, die hier nachgerechnet haben), dass die Preise nicht nach dem offiziellen Umtauschkurs, sondern pi mal Daumen plus kräftige Gewinnmarge umgerechnet worden sind. Alles ist teurer geworden. Nur die Honorarhöhe ist geblieben. Oder sogar gesunken, wie die Kommunikationsdesigner berichten. Irgendwas scheint hier in Schräglage zu sein. Oder sehe ich das falsch?

10. April 2010

Ratgeber für prekäre Lebenslagen

Abgelegt unter: Allgemein — Tags:, , , — pwinkler @ 23:37

Neben ver.di scheint auch der DGB zu begreifen, dass “Selbständige” oder “Unternehmer” nicht automatisch diejenigen sind, die die armen und schützenswerten Arbeitnehmer ausbeuten. Sondern dass im Fall von “Solo-Selbständigen” die Selbstausbeutung die Unternehmer eher selbst trifft. Jedenfalls gibt es nun seit Februar einen Ratgeber für Selbständige in prekärer Lage. Der “Ratgeber Selbstständige – Soziale Sicherung und wenn das Geld nicht reicht” kann für einen Euro direkt online angefordert werden.

Auch wichtig: Laut Einschätzung des DGB ist “die Lage der rund 2,3 Mio. Selbstständigen, die ohne weitere Angestellte arbeiten, … zum Teil sehr prekär; nur ein Viertel der Hilfebedürftigen hat ein Einkommen über 800 Euro im Monat“. Eine weitere Zahl sagt, dass “fast 25 Prozent der Selbstständigen von Altersarmut bedroht sind” - und ergänzend heißt es: „Häufig reichen schlicht die Einnahmen nicht aus, um die Alterssicherung und manchmal sogar die Krankenversicherung zu bezahlen“, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Na prima. Dann befinden sich ja all die, bei denen es nur fürs Überleben reicht, in bester Gesellschaft …

8. April 2010

Arbeitszeit und Honorare für Journalisten

Abgelegt unter: Dumping & billig, Honorarkalkulation, Journalisten — Tags:, , — pwinkler @ 23:15

Vor ein paar Tagen habe ich in der Serie der Süddeutschen “Wozu noch Journalismus?” den Beitrag von Stephan Ruß-Mohl mit den sechs Empfehlungen gelesen. Was für mich sehr interessant und neu war: dieser Autor berichtet freimütig, für den Artikel zehn Stunden Arbeitszeit benötigt zu haben.  Wobei er eingesteht, dabei manche Textpassagen aus anderen Artikeln zweitverwertet zu haben. Seiner Einschätzung nach hätte ein freier Journalist, wenn nicht zweitverwertet werden kann, eventuell noch mehr Arbeitszeit benötigt. Und dann verweist er auf die journalismus.com-Honorartabelle.

Bei manchen Zeitungen hätte man für zehn oder mehr Stunden Arbeit pro Artikel um die 180 Euro oder 13 Euro pro Stunde erhalten. Laut dieser Honorartabelle hätte ein gestandener Journalist bei einem renommierten Nachrichtenmagazin für 10 Stunden Arbeit ganze 180 Euro bekommen. Bei einer überregionalen und mindestens ebenso renommierten Zeitung wären es 13 Euro pro Stunde gewesen und damit um die 130 Euro.

Leider ist ja nicht jeder Werktag mit Aufträgen gefüllt. Es gibt ja auch Tage mit Leerlauf, die mit nicht honorierten administrativen Aufgaben gefüllt werden. Geht man von zwei Dritteln produktiver Tätigkeit aus (und das dürfte angesichts der derzeitigen Lage der Branche eher optimistisch sein), kommt ein freier Journalist damit auf einen Tagessatz von durchschnittlich vielleicht 144 Euro (bei 180 Euro für 10 Stunden Arbeit, was ja noch optimistisch geschätzt war) oder von 130 Euro (mit dem Stundensatz).

Der Monatsumsatz beträgt dann (bei 4 x 5 x 8 Stunden und bei 70 Prozent Auslastung, d.h. bei 112 Stunden Arbeitzeit pro Monat) vielleicht noch 14 x 144 Euro (also rund 2000 Euro brutto!) oder je nach Stundensatz um die 1820 Euro. Urlaubs- oder Krankheitszeiten sind darin natürlich nicht enthalten.

Von diesen rund 2000 oder 1800 Euro gehen natürlich erst einmal noch Betriebsausgaben in Form von Telefon, Auto, Büromaterial, EDV etc. ab. Je nach Kostenstruktur (ist vielleicht noch eine Miete fürs Büro zu zahlen?) bleiben davon vielleicht nur 1200 Euro. Davon geht dann nochmal die Krankenversicherung ab plus noch andere Vorsorgesachen. Oder vielleicht ein Kinderfreibetrag. Oder andere Freibeträge.

Und wieviel bleibt dann - nach Abzug aller Kosten und Freibeträge - noch übrig zum Leben? Nicht mehr viel. Ein Job als freier Journalist ist ein Hungerleiderjob (Ausnahmen sind natürlich sicherlich möglich).

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