Was für ein Stundensatz

Auf einer Journalisten-Seite (nein, ich sage jetzt nicht welche) gibt es in der Auftragsbörse gerade DAS Wahnsinnsangebot für Schreiberlinge (nein, ich verrate jetzt nicht den Link) zu den Themen „Vorsorge gegen den Klau von Daten“ und fürs „gesunde Altern“.

GESUCHT WERDEN:  „fachkundige“ (!) Autoren, für die Zielgruppe der interessierten Laien, „die sich ausführlich und fundiert über das Thema informieren möchten“. Also eigentlich nix, was einfach auf die Schnelle dahingeblubbert werden kann oder sollte.

GEBOTEN WIRD: ein Honorar von 1.534,- Euro für 110 Manuskriptseiten mit je 1800 Anschlägen, insgesamt fast 200.000 Anschläge. Macht also noch nicht einmal 14,- Euro pro Seite.

Wie viel Zeit braucht’s wohl für 110 Manuskriptseiten? Ist eine Seite in einer halben Stunde zu schaffen? Und zwar ohne jegliche Recherche zuvor? Dann (und nur dann) käme man bei 55 Stunden auf einen Stundensatz von knapp 28,- Euro.

Muss jedoch zuvor noch recherchiert werden, wird noch Zeit für ein Konzept, für eine Struktur, für weiterführende Hinweise oder Links benötigt, dann reduziert sich dieser Stundensatz recht deutlich. Vielleicht bleiben am Ende noch 20 Euro? Davon müssen bei einem freischaffenden Autor noch die Kosten für Büro und andere Betriebsausgaben abgezogen werden. Bleibt nur ein kärglicher Gewinn. Von dem sind die Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung sowie andere absetzbare Ausgaben abzuziehen. Und das ist dann das Einkommen. Wie viel bleibt wohl übrig bei diesem Zeitaufwand? Vielleicht 10 oder 12 Euro die Stunde?

Da stellt sich die Frage, ob man dem Leser überhaupt ein Mindestmaß an Qualität bieten kann oder ob bei diesem Preis nur schnell dahingeschnuddelter Mist eingekauft wird. Aber wahrscheinlich merkt der Leser erst, wie lieblos das dahingeklatscht ist, NACHDEM er das Zeug bezahlt hat. Und damit gibt es gleich zwei Gelackmeierte: den Autoren UND den Leser. Der Unterschied ist: dem Verlag müsste VORHER klar sein, dass zu diesem Preis keine Perlen zu haben sind. Der Leser merkt’s aber erst, NACHDEM er das Buch gekauft hat.

Arme Autoren, arme Leser.

Aber das ist vermutlich Groschenroman auf Fachbuch-Niveau: ein Wirtschaftsmodell, das davon lebt, dem gemeinen Leser für zu viel Geld viel Schund zu verkaufen. Brrrrr.

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