Journalisten nicht als Bittsteller behandeln

Habe soeben auf kress.de eine Zusammenfassung eines Vortrags von Matthias Spielberg gelesen, in dem es um die wirtschaftliche Lage von freien Journalisten, das Verhältnis “nach Gutsherrenart” von Verlagen zu ihren Freien und die wachsende Unlust der Freien geht, sich das alles noch bieten lassen zu müssen. Dazu noch ein Verweis auf den Artikel von Stefan Ruß-Mohl (siehe hier), der vorrechnet, wie viel Zeit er für seinen Artikel benötigt und wie viel Geld er damit wohl verdient hat, plus auch hier der Verweis auf die Verträge, die u.a. der ZEIT-Verlag seinen Freien vorlegt, mit der Abtretung aller Rechte für die Zukunft und die Vergangenheit.

Was mir wieder mal aufgefallen ist: die Doppelmoral der Verlage. Denn wenn es um die Honorare für ihre freien Mitarbeiter geht, wird auf den freien Markt verwiesen: “wir befinden uns in einem Markt, der regelt das dann schon über Angebot und Nachfrage”. Auf der andere Seite zeigt Spielberg mal wieder die Janusköpfigkeit der Branche, wenn er auf die “Forderung der Presseverlage nach einem Leistungsschutzrecht” verweist. Wenn es nämlich um den Wettbewerb auf dem freien Markt geht, “rufen (die Verlage) nach dem Staat, der ihnen ein Leistungsschutzrecht verschaffen soll, damit ihre Investitionen geschützt bleiben.” Ein solches Schutzrecht würde unter anderem die Rechte der Mitarbeiter noch stärker beschneiden. Irgendwie schon sehr doppelbödig, diese Branche. Und dann geht Spielberg auf die Honorarsituation ein und stellt fest:

“Frohgemut werden Honorare bezahlt, die, auf einen Stundenlohn umgerechnet, in der ostdeutschen Sicherheitsbranche sittenwidrig wären. Es werden Verträge aufgesetzt, die den Autoren immer wieder aufs Neue demonstrieren, dass es um Ausbeutung ihres “Contents” und ihrer Arbeitskraft geht, nicht um Zusammenarbeit.”

Es bereitet ihnen keine Sorgen. Doch es sollte ihnen Sorgen bereiten. Denn wenn es einen Weg gibt für sie zu überleben, jetzt, da ihre Veröffentlichungsmonopole der Vergangenheit angehören, dann liegt er darin, Lesern etwas zu bieten, was diese woanders nicht bekommen können, oder zumindest nicht so gut. Döpfner nennt es Führung, andere nennen es schlicht Mehrwert. Und damit meine ich keine Klickstrecken aus Tittenbildern. Sondern fesselnde Reportagen, Analysen, die die Augen öffnen, Recherchen, die zutage fördern, was mancher gerne verbergen würde.

Wie sie das schaffen wollen mit Mitarbeitern, denen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Verachtung zeigen, ist mir zumindest nicht ganz klar.

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